Person wirft Goldmünzen in einen tiefen Brunnen, hinter ihr führt ein heller Weg aus dem Wald

Sunk-Cost-Effekt: Gutes Geld schlechtem hinterherwerfen

October 19, 2026•7 min read

Kennst du das? Du hast schon so viel Geld in ein Projekt gesteckt, dass es sich wie Wegwerfen anfühlt, wenn du aufhörst. Also legst du noch einmal nach, obwohl dein Bauchgefühl längst anderer Meinung ist.

Genau das ist der Sunk-Cost-Effekt. 💸 Er gehört zu den klassischen Denkfehlern der Verhaltensökonomie. In diesem Artikel erfährst du, wie er entsteht, wie er sich bei Bitcoin und Altcoins zeigt und mit welchen drei Fragen du ihn entlarven kannst. Dieser Artikel ist der dritte Teil der Serie über Geldpsychologie.

Zusammenfassung: 📌 7 Fakten zum Sunk-Cost-Effekt

  1. Im Skireise-Experiment entschieden sich nur 46 Prozent der Teilnehmer (28 von 61) für die Reise, die ihnen besser gefiel. Die klassische Ökonomie hätte 100 Prozent erwartet.

  2. Beim Theater-Feldversuch nutzten Abonnenten mit einem Vollpreisticket bei den ersten fünf Aufführungen im Durchschnitt 4,11 Tickets, mit einem Rabatt 3,32 bzw. 3,29 Tickets. In der zweiten Saisonhälfte gab es keinen Unterschied mehr.

  3. Im Flugzeug-Szenario wollten 85 Prozent der Teilnehmer das Projekt trotz besserer Konkurrenz fertigstellen; in der Vergleichsgruppe ohne bisherige Investition waren es nur 17 Prozent.

  4. Teilnehmer mit bisheriger Investition schätzten die Erfolgschance im Durchschnitt auf 41 statt 34 von 100 Punkten.

  5. Auch Studierende, die den Begriff der versunkenen Kosten gerade gelernt hatten, entschieden sich im Skireise-Experiment nicht rationaler als andere.

  6. Staw (1976) fand heraus, dass Menschen, die sich für eine erfolglose Entscheidung verantwortlich fühlten, danach mehr Geld in dieselbe Option investierten.

  7. Dieser Effekt wird auch als Concorde-Fehlschluss bezeichnet, da Großbritannien und Frankreich die Concorde weiterfinanzierten, obwohl sie sich wirtschaftlich nicht rentieren würde.

Was ist der Sunk-Cost-Effekt?

Der Sunk-Cost-Effekt (zu Deutsch: Effekt der versunkenen Kosten) beschreibt die Neigung, ein Vorhaben weiterzuführen, nur weil bereits Geld, Zeit oder Mühe investiert wurden. Die Psychologen Hal Arkes und Catherine Blumer untersuchten ihn in einer Arbeit von 1985 mit zehn Experimenten.

Rational zählen deshalb nur künftige Kosten und Erträge. Ein Experiment aus der Arbeit zeigt, wie wir tatsächlich entscheiden: Die Teilnehmer sollten sich vorstellen, 100 Dollar für eine Skireise nach Michigan bezahlt zu haben. Wochen später kaufen sie für 50 Dollar eine Reise nach Wisconsin, die ihnen besser gefällt. Beide Tickets sind nicht erstattungsfähig und die Reisen finden am selben Wochenende statt. Nur 28 von 61 Teilnehmern, also 46 Prozent, wählten die Reise, die ihnen besser gefiel. Die klassische Ökonomie hätte 100 Prozent erwartet. Das investierte Geld war in beiden Fällen weg, egal für welche Reise sie sich entschieden.

Ein Feldversuch an der Ohio University hat gezeigt, dass der Effekt nicht nur im Fragebogen, sondern auch in Wirklichkeit vorkommt. Die Käufer von Saisonkarten bekamen zufällig den normalen Preis von 15 Dollar oder einen Rabatt. Bei den ersten fünf Aufführungen kauften die Käufer mit Rabatt im Durchschnitt 3,29 Tickets. Die Käufer, die den vollen Preis bezahlt hatten, kauften im Durchschnitt 4,11 Tickets. In der zweiten Saisonhälfte war kein Unterschied mehr messbar.

Warum bereits verlorenes Geld deine Entscheidung steuert

Laut Arkes und Blumer resultiert dieses Verhalten aus dem Wunsch, nicht verschwenderisch zu wirken. Wer eine Investition abbricht, gibt zu, dass das Geld verschwendet wurde. Weiterzumachen schiebt dieses Eingeständnis auf.

Zudem hat das eine besondere Wirkung auf die Wahrnehmung. In einem Beispiel sollten die Teilnehmer als Chef einer Fluggesellschaft 10 Millionen Dollar in ein Flugzeugprojekt gesteckt haben. Als es zu 90 Prozent fertig war, brachte ein Konkurrent ein schnelleres und günstigeres Modell auf den Markt. Trotzdem wollten 41 von 48 Teilnehmern (85 Prozent) das Projekt fertigstellen. In einer Vergleichsgruppe, die noch nichts investiert hatte, waren es nur 10 von 60 (17 Prozent). Die Teilnehmer schätzten ihre Erfolgschance höher ein, nämlich bei 41 statt 34 von 100 Punkten.

Die Vergangenheit beeinflusst also die Prognose, auch wenn sich nichts geändert hat.

Arkes und Blumer sehen den Effekt außerdem gut durch die Prospect Theory beschrieben: Ein sicherer Verlust, etwa das Aufgeben des Projekts, wiegt besonders schwer. Wie das funktioniert, kennst du aus dem Artikel zum Dispositionseffekt.

Wissen garantiert jedoch keinen Schutz. Selbst Studierende, die den Begriff der versunkenen Kosten in einem Wirtschaftskurs gelernt hatten, entschieden sich im Skireise-Experiment nicht rationaler als die Vergleichsgruppen.

Sunk-Cost-Effekt bei Bitcoin und Altcoins

Der Sunk-Cost-Effekt macht sich bei Altcoins vor allem nach dem Kauf bemerkbar. Du investierst in ein Protokoll oder einen Coin, der Kurs fällt, die Entwickleraktivität lässt nach und die Nutzerzahlen sinken. Anstatt die neue Lage nüchtern zu bewerten, hältst du die Coins weiter oder kaufst nach, um die bisherige Investition zu „retten“.

Dasselbe gilt für Governance-Token eines Projekts, das an Bedeutung verliert. Entscheidend ist nicht dein Einstandskurs, sondern ob das Protokoll weiterhin echte Nutzung, Entwicklung und einen nachvollziehbaren Token-Nutzen aufweist.

Jeder zusätzliche Euro vergrößert dabei den Betrag, den du im Zweifel verlierst. Dieser Effekt ist keine Altcoin-Spezialität, sondern wirkt überall dort, wo du nachlegst, weil schon viel investiert wurde, auch bei Bitcoin.

Versunkene Kosten sind mehr als Geld

Arkes und Blumer zählen ausdrücklich auch Zeit und Mühe zu den versunkenen Kosten. Im Krypto-Alltag sind das Wochen der Recherche, Abende in Telegram- und Discord-Gruppen sowie die Zeit, die du gebraucht hast, um ein Protokoll zu verstehen.

Dazu kommt das Ego. Wer ein Investment öffentlich verteidigt oder Freunden empfohlen hat, widerspricht sich ungern selbst.

Der Organisationsforscher Barry Staw ließ 1976 Betriebswirtschaftsstudenten in einer Simulation einer Investitionsentscheidung über Geld entscheiden. Wer sich für eine erfolglose frühere Entscheidung verantwortlich fühlte, investierte im Anschluss mehr Geld in dieselbe Option als nach einer erfolgreichen Entscheidung. Dieses Muster wird als „Escalation of Commitment” (Eskalation des Engagements) bezeichnet: Wer eine Entscheidung selbst getroffen hat, rechtfertigt sie, indem er weitermacht.

Auch Staaten sind davor nicht gefeit. So finanzierten Großbritannien und Frankreich das Überschallflugzeug Concorde weiter, obwohl sich längst abgezeichnet hatte, dass es sich wirtschaftlich nicht tragen würde. Dieser Effekt wird deshalb auch Concorde-Fehlschluss genannt.

3 Fragen, die dir helfen, die Reißleine zu ziehen

Diese drei Fragen holen die Vergangenheit aus deiner Entscheidung heraus und zeigen dir so, wie du dich in der Vergangenheit entschieden hast. Beantworte sie schriftlich, bevor du weitermachst.

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Bereits verlorenes Geld ist weg. Frag dich lieber, was das nächste Geld bewirkt.

Wenn du spontanes Nachlegen vermeiden willst, hilft ein fester Plan: Ein automatisierter Bitcoin-Sparplan kauft regelmäßig, unabhängig davon, wie viel du schon investiert hast.

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Fazit: Warum die Vergangenheit keine Entscheidung treffen sollte

Der Sunk-Cost-Effekt verleitet dich dazu, gutes Geld schlechtem hinterherzuwerfen, weil Aufhören sich wie eine Verschwendung anfühlt. Neben Geld zählen dazu auch Zeit, Mühe und der eigene Ruf.

Mit den drei Fragen holst du die Vergangenheit aus der Entscheidung heraus. Bereits verlorenes Geld ist weg. Frage dich deshalb, was deine nächste Investition bewirkt.

Wenn du deine eigene Strategie mit klaren Regeln aufbauen willst, sichere dir hier ein kostenloses Strategiegespräch.

FAQ: Häufige Fragen zum Sunk-Cost-Effekt

Ist das Nachkaufen bei fallenden Kursen immer ein Sunk-Cost-Fehler?

Nein, entscheidend ist der Grund. Wenn du nachlegst, weil sich deine Einschätzung der Zukunft verbessert hat, ist das eine Entscheidung. Wenn du nachlegst, um die bisherige Investition zu retten, ist es der Sunk-Cost-Effekt.

Wie viel darf ich insgesamt in ein Projekt stecken?

Eine allgemeingültige Grenze gibt es nicht. Es ist jedoch hilfreich, vor dem ersten Kauf eine Obergrenze festzulegen und diese später nicht zu überschreiten. Welcher Betrag zu dir passt, hängt von deiner Situation und deiner Risikobereitschaft ab.

Ist der Sunk-Cost-Effekt bei Kryptowährungen stärker als bei Aktien?

Mir ist keine belastbare Studie dazu bekannt. Der Mechanismus ist aus vielen anderen Bereichen bekannt und hängt nicht von der Anlageklasse ab.

Was unterscheidet den Sunk-Cost-Effekt vom Dispositionseffekt?

Letzterer betrifft den Verkaufszeitpunkt, also die Frage, ob du Gewinner zu früh und Verlierer zu spät verkaufst. Beim Sunk-Cost-Effekt geht es um die Frage, ob du weiterhin Geld, Zeit oder Mühe in etwas investierst. Beide Effekte können gleichzeitig auftreten.

Hilft ein Sparplan gegen den Sunk-Cost-Effekt?

Teilweise. Ein Sparplan nimmt dir die Einzelentscheidung beim Kauf ab, da er nach einem festen Plan in das investiert, was du zuvor ausgewählt hast. Er schützt dich jedoch nicht davor, einen schlechten Wert auszuwählen. Prüfe deshalb regelmäßig, ob deine Auswahl noch angemessen ist.

Rechtlicher Hinweis: Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und stellt keine Anlage-, Steuer- oder Rechtsberatung dar. Investitionen in Bitcoin und andere Vermögenswerte sind mit Risiken verbunden, die bis zum Totalverlust reichen können. Triff deine Entscheidungen daher eigenverantwortlich oder hole dir professionelle Beratung.

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